Human-centred Design
Meinen Schreibtisch im Büro habe ich gegen einen Platz im Work-Café in Berlin eingetauscht - begleitet von einem leckeren Macha Latte, den ich neu für mich entdeckt habe. Ich bin mitten in meiner sechsmonatigen Ausbildung „Human-Centred Design“ bei ARTOP, die ich mit dem Zertifikat „User Experience Professional“ abschließen werde.
Dank der Möglichkeit, Teilzeit und remote zu arbeiten, kann ich die Weiterbildung optimal mit meinen Aufgaben im Team verbinden und das Gelernte direkt in die Praxis umsetzen.
UX ist überall
Im Austausch mit den anderen 7 Teilnehmenden habe ich gemerkt, wie breit UX wirklich wirkt. Ob Software, Gesundheit, Bildung oder Industrie – überall, wo Menschen mit Systemen interagieren, entscheidet die Gestaltung über den Erfolg. Dass wir dabei strukturiert, fundiert und empathisch vorgehen, ist kein Bonus, sondern Voraussetzung.
UX ist übrigens keine neue Idee – schon im Industriedesign (wie bei Telefonen, Küchenmaschinen oder Autos) der 50er- und 60er-Jahre hat man sich gefragt: Wie können wir Produkte so gestalten, dass sie leicht zu bedienen sind?
Eine durchdachte User Experience war schon immer der unsichtbare Erfolgsfaktor hinter guten Produkten.
Mensch und Qualität
Im ersten Modul stand folgende Frage im Mittelpunkt: Was bedeutet menschzentrierte Qualität? Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Usability, User Experience, Barrierefreiheit und der Vermeidung von Schäden bei der Nutzung. Wir haben gelernt, dass gutes Design nicht nur „funktioniert“, sondern sich auch richtig anfühlt, also sicher, intuitiv und angenehm.
Der Blick auf den Nutzungskontext (Wer nutzt das Produkt? In welcher Situation? Mit welchen Zielen und Ressourcen?) ist dabei zentral. Es reicht nicht, ein Produkt für die Gegenwart zu entwickeln. Wir gestalten nachhaltig und für die Zukunft.
Human-centred Design ist kein spontaner Kreativprozess, sondern ein klar strukturierter Ansatz (für alle Norm-Fans: in der ISO-Norm 9241-210 steht’s schwarz auf weiß!). Es geht darum, vom Bauchgefühl zum Prozess zu kommen: Analyse, Gestaltung und Bewertung sind keine einmaligen Schritte, sondern ein Kreislauf, der sich wiederholt und verfeinert.
Erst breit denken, um Alternativen und Perspektiven zu entdecken – und dann wieder eng werden, bewerten, entscheiden und das Richtige weiterverfolgen. Unser Trainer Knut hat es so formuliert: „Wir holen Feedback zu Alternativen ein – nicht, um alles richtig zu machen, sondern um besser zu werden.“
Prozess vor Ergebnis
Eine Regel aus dem Modul habe ich mir besonders zu Herzen genommen: „Prozesssicherheit vor Ergebnissicherheit“. Das hat mir Druck genommen, gleich schon bei Kick-Off Gesprächen eine mögliche Lösung präsentieren zu müssen. Viel wichtiger ist es, zu verstehen, zu beobachten, ohne zu bewerten, neugierig zu sein und vor allem Forderungen zu hinterfragen.
Denn die ideale Lösung beginnt nicht mit der Antwort, sondern mit der richtigen Frage.
Praktisch wurde es in unserem Rollenspiel zur Auftragsklärung. Genau dadurch wurde klar, wie wichtig Prozesssicherheit ist: Die Auftraggebenden kommen oft mit einer klaren Vorstellung vom Ergebnis und reden gerne über das, was sie haben wollen, aber selten darüber, warum. Dabei entsteht das passende Ergebnis durch den Prozess und im Herausfinden, was wirklich gebraucht wird.
UX bleibt menschlich
Mein Ziel der Ausbildung ist es, einen klaren Prozess und einen Baukasten an Methoden zu verfeinern, um Designprojekte selbstbewusst zu führen. Ich möchte, dass unsere Kund:innen wissen, dass ich Entscheidungen bewusst treffe und nicht einfach aus dem Bauch heraus, und diese auch fundiert argumentieren kann.
Und ich möchte zeigen, dass UX ein Berufsfeld ist, das keine KI so einfach ersetzen kann – weil es zutiefst menschlich ist.
Denn am Ende geht es immer um Menschen. Um ihre Bedürfnisse, Unterschiede und Erfahrungen. Und darum, dass wir Verantwortung für Produkte übernehmen, die nicht nur funktionieren, sondern das Leben besser gestalten – wortwörtlich.
