Die Datenspinne

Ein kurzer Abriss zum Buch „Die Datenspinne, Im Netz von Google, Facebook, Alibaba und Co!“ erschienen im Leykam Verlag 2016.  

Die Explosion der Daten 

Die Menschheit hat bisher noch nie eine so rasante Entwicklung erlebt wie die Datenexplosion. Unzählige Computer, Sensoren, mobile intelligente Geräte, Smartphones, Kameras und vieles mehr sammeln, verarbeiten und speichern ständig Daten. In nur zwei Stunden werden heute mehr neue digitale Daten generiert, als in Summe in allen Büchern dieser Welt an Daten enthalten ist. Oder: In nur zwölf Stunden werden heute mehr neue digitale Daten generiert, als die gesamte Menschheit seit 1997 bis zum jetzigen Zeitpunkt an Daten – in welcher Form auch immer – generiert hat. 

Handy: Ein Datengerät verdrängt Materielles – vom Lexikon bis zum Reisebüro 

Hätte vor 20 Jahren jemand behauptet, dass es 2016 zu sehr geringen Kosten ein kleines, mobiles Gerät geben wird, mit einem Funktionsumfang, der gleichzeitig dem Gebrauchsnutzen von Radio, Plattenspieler, Fernseher, Videokamera, Fotoapparat, Fotoalbum, Uhr, Wecker, Bankschalter, Reisebüro, Modeboutique, Buch, Bibliothek, Lexikon, Zeitung, Landkarte, Fremdenführer, Reiseplaner, Flugticket, Kompass, Taschenlampe, Taschenrechner, Geschwindigkeitsmesser, Distanzmesser, Überwachungskamera, Kalender, Adressbuch, Brief, Post, Ansichtskarte… ach ja, und natürlich einem Telefon entspricht – er oder sie wäre als verrückt abgestempelt worden. Heute nutzt praktisch jeder so ein Gerät: unser all geliebtes Smartphone. 

Viele Daten zu haben heißt nicht zwingend mehr zu wissen 

Viele unterliegen dem Irrtum, dass viele Daten automatisch bedeuten, besser informiert zu sein, mehr zu wissen und die Welt besser zu verstehen. Selbst führenden Daten-Firmen unterlaufen gravierende Fehler in der Datenanalyse und -interpretation. So hat zum Beispiel die automatische Preisanpassung bei Amazon innerhalb weniger Minuten den Preis eines Sachbuches von 18 Dollar auf 1,7 Millionen Dollar katapultiert. Im Mai 2010 spielte die Börse, eigentlich die Algorithmen des Hochfrequenzhandels, verrückt. In wenigen Minuten verlor der Dow Jones 1.000 Punkte (das entspricht 300.000 Milliarden Dollar) und gleichzeitig schoss die Apple-Aktie in astronomische Höhen – der Apple Unternehmenswert vertausendfachte sich in wenigen Minuten.  

Wie mit unseren Daten Geld verdient wird 

Im Internet wird vieles kostenlos angeboten. Wir bezahlen mit unseren Daten. Unsere Daten werden nicht nur für die Werbung verwendet. Das Geschäft mit den Daten ist wesentlich vielfältiger. Hier einige Beispiele rund ums Auto: Telekomanbieter verkaufen die Handypositionsdaten an Navigationsgerätebetreiber, um Stauvorhersagen zu machen, Navigationsgerätebetreiber verkaufen Orts-Geschwindigkeitsdaten an Behörden, um Radaraufstellungsorte bußgeldmaximierend aufzustellen, Versicherungen spähen auf die Daten zum Fahrverhalten, um individuelle Prämiengestaltung zu ermöglichen, freie Reparaturwerkstätten kämpfen um die technischen Fahrzeugdaten inklusive Diagnosedaten, um überhaupt die Wartung oder Reparatur vornehmen zu können, die Terrorbekämpfung wünscht sich Orts- und Kommunikationsdaten und die Behörden möchten zum Beispiel nach einem Unfall auf die Geschwindigkeitsdaten zugreifen. 

Neues Leben in der digitalisierten Welt 

Die Daten und die Digitalisierung ändern das alltägliche Leben massiv. Für das Finden einer Telefonnummer oder das Nachschlagen eines Fremdwortes benötigen wir nicht mehr die Reihenfolgeregel des Alphabets. Zum Navigieren in einer uns fremden Stadt benötigen wir nicht mehr die Fähigkeit, eine Landkarte lesen zu können. Die automatischen Rechtschreibkorrekturprogramme haben uns von der Notwendigkeit, Rechtschreibung zu beherrschen, erlöst. Durch digitale Dienste verlieren menschliche Fähigkeiten wie alphabetisches Suchen, Rechnen, das Lesen einer Landkarte, das Beherrschen der Rechtschreibung… an Bedeutung. Gemäß dem alten Sprichwort „wer rastet, der rostet“ werden diese Fähigkeiten wohl auch verschwinden. 

Verlieren hochangesehene Berufe an Bedeutung? 

Der Computer, die intelligente Maschine, kann schneller, verlässlicher und billiger viele Daten verarbeiten, analysieren und verdichten als der Mensch. Eine der Haupttätigkeiten hoch angesehener Berufe wie Arzt oder Flugzeugpilot ist aber genau das Analysieren großer Datenmengen. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Berufe drastisch ändern oder sogar durch intelligente Maschinen ersetzt werden. Bereits heute können Computerprogramme qualitativ gleichwertige Diagnosen erstellen wie ein Ärzteteam. Bereits heute fliegt der Computer das Flugzeug genauso verlässlich wie der Mensch. Bereits heute erkennt eine intelligente Maschine die Gesten des weltbesten Pokerspielers und besiegt ihn.   

Herbert Jodlbauer ist derzeit einer unserer Hauptansprechpartner bei der Umsetzung eines innovativen Webprojekts für Business Upper Austria.