Gute Frage, werden Sie sich jetzt denken. Wie man dennoch auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereitet sein kann, erklärt uns Reinhard Schmidt, stv. Landesrettungskommandant beim Roten Kreuz. Das Rote Kreuz ist oft mit Großschadensereignissen konfrontiert. Aktuell beschäftigen die Asylwerberströme.

Welche sehen Sie als die wesentlichen Voraussetzungen, um für solche Ausnahmezustände gerüstet zu sein?

Ganz klar: die Ausbildung zu Zeiten, wo noch keine Notwendigkeit, kein Einsatz vorliegt. Es ist wichtig, die Abläufe, aber auch Verordnungen, Richtlinien und Gesetze rechtzeitig zu kennen. Das Führungspersonal wird beim Roten Kreuz vergleichbar mit der Feuerwehr, polizeilichen und militärischen Strukturen ausgebildet – schließlich müssen wir ja mit diesen Organisationen stets gemeinsam an der Bewältigung von Krisen arbeiten. Die drei wesentlichen Teile, aus denen sich jedes Führungssystem zusammensetzt, sind:

  • Die Führungsorganisation (Vorschriften, Richtlinien, die Aufbauorganisation)
  • Das Führungsverfahren (der ganze Prozess des Führungsablaufes, ein standardisierter Vorgang, die Ablauforganisation)
  • Die Führungsmittel (alles, was dazu benötigt wird, um überhaupt führen zu können, wie IT, Funkgeräte oder Fahrzeuge)

Ohne die richtige Vorbereitung endet jegliches Führen im Chaos. Deshalb sind unsere Leute hervorragend geschult, um für viele Eventualitäten die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Dabei muss man aber noch etwas unterscheiden: Unfälle beispielsweise, auch größere, akut auftretende Schadensfälle mit vielen Beteiligten, sind seitens des Roten Kreuz ein weit vorgeplantes und auch vorgeübtes Einsatzspektrum. Das heißt, dass es viele derartige Übungen gibt, bei denen solche Fälle geübt werden. Flüchtlingsströme lassen sich allerdings viel weniger weit vorausplanen. Man weiß zwar, dass die Bewegungen vorhanden sind; aber wann und wo man eingreifen und beispielsweise Lager aufbauen muss, das kann man nicht ahnen. Wie man Unterkünfte errichtet, was man wie an Abläufen darin und dabei vorsieht, ist wieder Teil der Ausbildung und auch von Übungen.

Wie lernt man, flexibel zu bleiben?

Das Führungsverfahren funktioniert nur dann, wenn das Geschehen – also das Ereignis, aber auch die gesetzten Maßnahmen unter ständiger Beobachtung der führenden Personen stehen. Während eines Ereignisses verändert sich das Umfeld, die Bedingungen. Es kann nötig sein, den Prozess gegebenenfalls abzuändern. Dabei geht es hauptsächlich um die richtige Kombination: Das richtige Mittel muss zur rechten Zeit eingesetzt werden, alle Zahnräder müssen ideal ineinandergreifen. Dafür gibt es – neben den Komponenten des Führungssystems – die sogenannten Einsatz- oder auch Führungsgrundsätze. Um das zu verinnerlichen und das Einwirken von Führungsgrundsätzen auf das Führungsverfahren zu optimieren, ist es so wichtig, das Personal durch gute Schulung optimal vorzubereiten. Die Entscheidungen treffen die höherrangigen, vorgesetzten Mitarbeiter, aber getragen werden müssen sie schlussendlich von allen Beteiligten. Das ist für das Funktionieren eines Einsatzes essentiell.