Stellen Sie sich vor, Sie stehen in der Früh auf, stapfen ins Bad, drücken auf den Lichtschalter – und nichts passiert. Mist. Dann eben im Dunklen Zähneputzen. Erfolgreich ertasten Sie den Wasserhahn und drehen. Wieder nichts. Als Sie auf die Straße schauen, merken Sie, dass auch dort alles dunkel ist.

Irgendwie wird Ihnen mulmig. Funktioniert das Radio? Die werden sagen, was los ist! Auch nichts, ist ebenfalls ans Stromnetz angeschlossen. Aber dann der rettende Gedanke: das Smartphone! Sie rennen zurück ins Schlafzimmer. Puh, noch 4% Akku und sogar Empfang. Als Sie einen Kollegen anrufen wollen,sagt Ihnen eine erotisch klingende Stimme , dass das Netz leider überlastet ist. Da hilft die ganze Erotik nichts, jetzt sind Sie wirklich beunruhigt. Und das völlig zu recht.

So könnte der Anfang eines großen Stromausfalls aussehen. Ganz unspektakulär und ohne jede Vorwarnung. In unserer modernen Welt sind wir von Strom abhängiger als von allem anderen. Er betreibt die Pumpen unserer Wasserversorgung, kühlt unsere Lebensmittel, hält uns während Operationen am Leben und betreibt die Kühlsysteme von Atomkraftwerken. Kein Strom bedeutet: kein Leben, wie wir es kennen. Ein Stromausfall, der länger als drei Wochen dauert, würde uns ins Frühmittelalter zurückwerfen. Ein wahrlich unschöner Gedanke.

Ein weiterer Bereich, der völlig von einer stabilen Stromversorgung abhängt und den wir als Softwareentwickler, IT-Administratoren, IT-Berater und Anwender jeden Tag brauchen, ist die IT selbst. Natürlich sind die meisten Rechenzentren gegen Stromausfälle gesichert – für eine gewisse Zeit zumindest. Aber was dann? Auch sind viele Applikationen und Mobile-Apps offlinefähig, sodass zumindest die Clients nicht sofort abstürzen, wenn kurz der Strom und die Verbindung zum Server weg sind. Aber was ist, wenn Server und Stromversorgung nicht mehr zurückkommen? Bei vielen Apps ist dies schlichtweg egal. In einem großen Blackout-Szenario ist es völlig irrelevant, ob ich als Berater meine gearbeiteten Zeiten noch eintragen oder meinen zuletzt gesehenen Film noch fertigschauen kann.

Interessant und spannend sind die großen Systeme. Beispielsweise Flugsicherung, die Stromnetzkontrolle, welche für den Wiederanlauf benötigt wird, sämtliche Verkehrsleit- und Kommunikationssysteme, Tunnelüberwachung, Krankenhausmanagement, Einsatzzentralen des Roten Kreuz und vieles mehr. Sind diese Systeme offlinefähig? Damit meine ich nicht offlinefähig für eine Stunde, sondern Chuck-Norris-offlinefähig für Tage oder Wochen. Selbst wenn, für den Betrieb ist nicht nur Strom notwendig.

Die Rechenzentren und Systeme werden von Menschen betrieben. Die müssen irgendwie hinkommen. Mit dem Auto, dem Bus, der Bahn. Letztere fällt ja mal gleich weg. Auto und Bus funktionieren etwas besser, zumindest solange Benzin im Tank ist. Ist der aus, haben wir ein Problem: Die Pumpanlagen an den Tankstellen funktionieren nicht. Selbst wenn wir ein Wir-Haben-Immer-Strom-Rechenzentrum haben, ist der Betrieb kritischer Softwaresysteme in Gefahr, weil die Leute schlicht nicht zur Arbeit kommen. Klingt banal, ist es auch. Es sind oft die gewöhnlichen Dinge, die großartige Konzepte zum Scheitern bringen.

Naja, genug gegruselt. Die Sonne scheint, ich geh jetzt in den Garten. Ganz ohne Strom und ohne Software… und pflanze Kartoffeln für den Notfall.

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