Für uns ist die HoloLens nicht nur aus Anwender-, sondern natürlich auch aus Entwicklersicht ein äußerst spannendes Thema. Da ist zunächst die Tatsache, dass es sich bei der Brille um einen vollständigen PC mit Windows 10 Betriebssystem handelt. Für die Verwendung ist keine Verbindung zu einem Smartphone oder einem anderen Computer notwendig. Jede normale Windows-App lässt sich damit prinzipiell auch auf der HoloLens starten. Dann wird ein virtueller Bildschirm eingeblendet, der sich beispielsweise über dem Schreibtisch platzieren oder auch an die Wand hängen lässt wie ein Fernseher – oder eben wie ein Fenster. Besser hat der Name „Windows“ noch nie gepasst. 

Die Brille scannt regelmäßig ihre Umgebung und kennt so stets ihre genaue Position. Hologramme verschwinden daher korrekt hinter Wänden, wenn man um die Ecke läuft, und verhalten sich generell sehr glaubwürdig. Wenn man das Gerät nach einer Woche Pause wieder in Betrieb nimmt, ist alles noch genau da, wo man es hinterlassen hat (auch wenn das für unordentliche Anwender kein Pluspunkt sein mag – zumindest ist das Aufräumen schnell erledigt). 

Die Bedienung erfolgt hauptsächlich durch Bewegungen des Kopfes (mit der Blickrichtung steuert man den Cursor) in Kombination mit einfachen Gesten oder Spracherkennung. Sie wollen eine App schließen? Einfach hinsehen und „Remove“ sagen. Das funktioniert nach wenigen Minuten bereits sehr intuitiv. 

Das wahre Potential: 3D-Apps

Es ist für sich allein genommen schon beeindruckend, eine Internetseite wie ein Poster an die Wand hängen zu können oder die Kochbuch-App über der Arbeitsfläche stets im Blickfeld zu haben. Das wahre Potential offenbart sich jedoch bei speziell für die HoloLens entwickelten Anwendungen, die nicht nur als 2D-Fenster dargestellt werden, sondern auch explizit von den dreidimensionalen Darstellungsmöglichkeiten Gebrauch machen. Es ist eine ganz andere Erfahrung, das Modell eines neuen Möbelstücks in Originalgröße im eigenen Wohnzimmer zu sehen, darum herumgehen und es von allen Seiten betrachten zu können, als nur eine zweidimensionale Abbildung davon zu betrachten. Oder stellen Sie sich nur vor: Wenn man im Museum plötzlich statt vor Steinhaufen und umgestürzten Säulen vor einem römischen Tempel steht und darin umherschlendern kann. 

Das bringt uns auch zum aktuell noch größten Problem der HoloLens: dem eingeschränkten Sichtfeld. Derzeit ist das Gerät nicht in der Lage, Hologramme im gesamten Sichtfeld darzustellen, sondern nur in einem eingeschränkten Bereich direkt vor dem Benutzer. Brillenträger kennen das Phänomen. Die Hologramme werden am Rand dieses darstellbaren Bereichs einfach abgeschnitten, was zu Beginn durchaus gewöhnungsbedürftig anmutet. Und auch wenn man sich – ebenfalls wie beim Tragen einer Brille – recht schnell an diesen Effekt gewöhnt und ihn nach ein paar Minuten schon kaum noch wahrnimmt, so wird dadurch dennoch die ansonsten schon recht glaubwürdige Illusion zerstört oder zumindest beeinträchtigt. Microsoft ist sich dieses Problems aber auf jeden Fall bewusst und wir sind zuversichtlich, dass es sich dabei nur um die typischen Kinderkrankheiten einer neuen Technologie handelt. Immerhin sind die aktuell verfügbaren Geräte die erste Generation, die nur für Entwickler und noch nicht für Endverbraucher gedacht ist. 

Challenge accepted!

Apropos Entwickler: Für uns bringt diese neue Welt neben den faszinierenden Möglichkeiten natürlich auch viele neue Herausforderungen mit sich. Das fängt bereits bei den Werkzeugen an: Während Spieleentwickler bereits seit Jahren immer komplexere dreidimensionale Welten erschaffen, hatte der klassische Softwareentwickler damit bisher wenig am Hut. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Microsoft für die Erstellung von HoloLens Apps auf Unity setzt, eine bekannte Spiele-Engine (eine Art Werkzeugkasten für die Entwicklung von Spielen). Ob es hier dann eher Spieleentwickler braucht, die zu Softwareentwicklern werden, oder umgekehrt, ist derzeit noch nicht absehbar. Vermutlich werden bei größeren Projekten Spezialisten aus beiden Bereichen benötigt. 

Doch nicht nur technisch gesehen gibt es neue Herausforderungen. Auch aus Usability-Sicht gilt es, viele Fragen neu zu stellen und Probleme von Grund auf anders zu lösen: Wie stellt man ein Menü dar? Wie blättert man durch eine Liste? Wie funktioniert die Navigation zwischen verschiedenen Bereichen der App? Wer eine intuitive und gut bedienbare Mixed-Reality-App bauen will, muss sich von bewährten Konzepten aus der 2D-Welt lösen, DropDown-Menüs und MessageBoxen funktionieren hier nicht. Etablierte Standards gibt es noch nicht und in manchen Bereichen ist sicherlich noch einiges an Grundlagenforschung notwendig. 

Doch trotz (oder vielleicht auch gerade wegen) all dieser neuen Herausforderungen ist die HoloLens für uns ein unglaublich spannendes Gerät mit sehr viel Potenzial. Wir freuen uns jedenfalls auf die ersten Projekte!