Sieh die Welt mit anderen Augen

Die HoloLens ist das neue Tech-Gimmick aus dem Hause Microsoft. Wenig verwunderlich, dass die software-affinen Entwickler aus Asten unter den ersten in Österreich sind, die die Brille besitzen und testen.

Während die Virtual Reality in eine gänzlich andere Welt entführt und die Augmented Reality unsere Erlebniswelt mit Zusatzinformationen versieht, hält HoloLens eine Zwischenform bereit. Ihre Mixed Reality macht es möglich, in unsere Wahrnehmung Hologramme, 3D-Elemente, einzubauen. Wir sehen, was uns tatsächlich umgibt – und zusätzlich noch andere Dinge. Klingt spacig? Ist es auch. Und hochtechnologisch. Damit nehmen Dinge Gestalt an, wo sich die bloße Vorstellungskraft alleine schwertut.

Völlig neue Möglichkeiten

Für dieses Feld scheinen eine Menge Anwendungsbereiche logisch. Studierende der Medizin können die Brille zum E-Learning tragen. Sie sehen ein menschliches Skelett vor sich, lassen per Fingerklick oder Sprachbefehl Adern und Venen erscheinen, Muskelschichten verschwinden. Ganz einfach gehen sie rundherum, betrachten ihr Untersuchungsobjekt von anderen Seiten. Reale Anatomie, fast zum Anfassen. Auf der Hand liegt die Sinnhaftigkeit einer derartigen technologischen Unterstützung für die Architektur. Die Tür soll vielleicht einen Meter weiter nach links versetzt werden? Man stelle sich in den Raum und probiere es visuell einfach aus. Sieht nicht gut aus? Dann verschieben wir an Ort und Stelle das Element mit dem Finger, ohne Controller. Im Einsatzbereich der Planung und Gestaltung beantwortet sich auch die Frage nach der Investitionssumme von selbst: Die einmalige Anschaffung einer HoloLens um derzeit rund 3.300 Euro erscheint in Relation zum vielfältigen Nutzen adäquat. Höchst sinnvoll erscheint auch die Möglichkeit, etwa Maschinenbauern ihre aktuellen Konstruktionen halb-real zur Seite zur stellen. Während am Computer die Daten ins System fließen, kann daneben gleichzeitig die neue Entwicklung rundherum begutachtet werden. Möglicherweise ersparen sich Unternehmen zukünftig auch den Aufwand, eine Vielzahl von Messeexponaten zu Veranstaltungen zu transportieren. Die Besucher könnten Neuheiten ganz einfach durch die Brille entdecken.

Zukunftsmusik

Dass die genannten Beispiele auch in der technikbegeisterten Spielewelt auf gute Resonanz stoßen dürften, ist anzunehmen. Sie umreißen aber allesamt nur grob die mögliche Bandbreite. Die Visionen lassen sich auch und vor allem im Berufsalltag weiterspinnen: Werden die Hologramme noch hochauflösender dargestellt, sitzen wir bald mit unseren Geschäftspartnern aus dem Ausland um den Besprechungstisch. Unser Gehirn wird sich schwertun, zwischen realen Zusammenkünften und futuristischen Videokonferenzen zu unterscheiden. Höchst interessant ist nämlich zu beobachten, dass die Nutzer die eingeblendeten Elemente auf eine realistische Art als gegeben annehmen. An den mitten im Zimmer stehenden Elefanten gewöhnt man sich, der Dosenpyramide weicht man automatisch aus, um sie nicht umzuwerfen.

Geringfügiger Optimierungsbedarf

Die Perspektiven werden durch die HoloLens zweifelsohne erweitert. Um Massentauglichkeit herzustellen, darf aber noch an ein paar Punkten nachjustiert werden: Die Brille sitzt momentan noch einigermaßen schwer auf dem Kopf. Bei längerer Nutzung macht sich das sehr wohl bemerkbar. Für Menschen, die ohnehin Brillenträger sind, umso mehr. Die HoloLens passt zwar darüber, drückt dann aber die Sehhilfe sehr fest auf die Nase. Außerdem schränkt die optische Brille das Sichtfeld im oberen Bereich etwas ein. Sind derlei Feinheiten erstmal verbessert, kann die HoloLens bestimmt Nutzer aus den unterschiedlichsten Sparten überzeugen.

Im Oktober haben Roman Schacherl und Daniel Sklenitzka bei einem Vortrag an der FH Hagenberg 300 Interessierten die HoloLens präsentiert. Auch die ersten Umsetzungsprojekte wurden bereits gestartet.