Meine vielen bisherigen beruflichen Jahre habe ich in der fast vollkommen analogen Welt verbracht: mit organisatorischen Dingen (Wer muss wann wo sein? Wer sperrt auf? Wer kann uns den PC neu aufsetzen?),
mit pädagogischen Themen (Welche Unterstützung können junge Eltern brauchen? Wie findet man Ehrenamtliche und wie motiviert man sie?) und sonstigen Allfälligkeiten (Welches Kindertheater kann wann wo auftreten? Wie kann man Statistiken erstellen und gleichzeitig Babyschwimmkursteilnehmer umbuchen?).

Bis mich dann Roman gefragt hat, ob ich nicht Teil der softaware gmbh werden möchte. Hier bin ich nun seit einigen Monaten in einer völlig anderen Welt und erfreue mich sehr an den vielen Dingen, die nun neu auf mich zukommen.

Ein erstes Resümee für alle Nicht-Nerds, die (wie ich davor) keine Ahnung haben, wie diese „jungen Softwarebuden“ ticken:

  • Es ist sehr leise hier: Die „jungen Burschen“ (und ich nehme mir das Altersrecht heraus, sie hier mal so zu nennen) sitzen oder stehen äußerst konzentriert den ganzen Tag an ihren Schreibtischen und tippen. Abgesehen von den wöchentlichen Projektstatusmeetings gibt es dazwischen auch kurze Zweier- oder Dreierbesprechungen, wenn nicht gerade von Büro zu Büro geskypt wird – aber grundsätzlich herrscht eine höchstkonzentrierte, sehr leise Arbeitsatmosphäre, ab und zu akustisch unterbrochen von der Kaffeemaschine.

  • Wir (also eigentlich die Kollegen) lösen gerne Probleme - und das mit einem sehr hohen Ausdauerlevel, enormer Geduld und einem hohen Anspruch an Richtigkeit und Perfektion. Wo ich davor sehr oft mit Halblösungen gut leben konnte oder musste (wird schon funktionieren, ist halt ein bisschen schief, wird schon passen für die Prüfung), gibt es hier immer das Streben nach schönen, richtigen Lösungen (und sehr korrekter Rechtschreibung ☺). Diese Geduld ist ein spürbares Erscheinungsmerkmal unserer Entwickler. Ich legte bisher eher Dinge, die mich nerven oder die nicht funktionieren, mal mit mehr oder weniger Emotion zur Seite und hoffte, dass es sich von selber gibt oder wer anderer kommt oder ich es eh nicht wirklich brauche: aber hier wird gelöst bis zum erfolgreichen Ende und das auch noch ganz entspannt und (zumindest für mich von außen nicht anders erkennbar) sehr freundlich.

  • Trotz der zeitlichen Flexibilität muss der Versorgungs- und Bewegungsrahmen stabil sein. Zwischen zwölf und eins wird (mehr oder weniger gesund) in verschiedenen Neigungsgruppen gegessen, um Punkt 13 Uhr werden zwei Matches gewuzzelt und dann kehrt wieder Ruhe ein.

  • Die fachliche Sprachwelt ist immer noch relativ weit von mir entfernt, aber die gegenseitige Bereitschaft, Begriffe wie Azure, GitHub, Jekyll Serve, u.a. verständlich zu erklären (und zu verstehen) steigt. Auch die Tastatur birgt auf einmal ungeahnte neue Möglichkeiten.

Insgesamt kann ich diese Freude an der Arbeit gut verstehen. Ich durfte mich bereits an der neuen Homepage versuchen und rudimentäre HTML-Kenntnisse erwerben. Und dieses Hochgefühl, das sich nach erfolgreichem Drücken der F5-Taste einstellt, kann ich nun auch schon ein bisschen nachempfinden.

Herzlichen Dank, dass ich nun Quersteinsteigerin in eurer Welt sein darf.

PS: Frage vor Kurzem an mich: „Hast du die schönen neuen Jira-Icons gemacht?“ Nein, war ich nicht (ich wüsste auch nur bedingt, wie das geht), aber mich freut, dass alleine meine Anwesenheit den Wunsch nach kleinen, lieben Dingen verbreitet. ✿